Im Kampf gegen Krebs will Ugur Sahin dem Immunsystem auf die Sprünge helfen. Ugur Sahin ist Experte für das Aufspüren von Andockstellen auf Tumorzellen und die Entwicklung von Antikörpern. Im Jahr 2001 gründete er zusammen mit Kollegen von den Universitäten Mainz und Zürich sowie der ETH die Firma Ganymed Pharmaceuticals.
Alt ist der Wunsch, Krebs mit den Waffen der körpereigenen Abwehr zu besiegen. Das Immunsystem ist recht gut darauf trainiert, Fremdkörper und Krankheitserreger an charakteristischen Merkmalen, den Antigenen, zu erkennen und zu bekämpfen. Am Ende einer langen strategischen Kriegführung schlagen die Spezialeinheiten aus T-Lymphozyten und Antikörpern die entscheidende Schlacht. Leider ist das bei Tumoren etwas anders- Zwar bilden auch Krebszellen besondere Merkmale, Tumorantigene, aus; doch sind diese schwierig auszumachen. Da Tumorzellen zudem entartete körpereigene Zellen sind, durchbricht das Immunsystem nur schwer die Toleranzschwelle, welche Körperzellen vor ihm schützt. „Es gibt zwar eine Immunantwort“, so Sahin, „aber diese ist sehr schwach.“ Es gilt also, dem Immunsystem auf die Sprünge zu helfen.
Seit über 30 Jahren schon entwickeln Forscher weltweit maßgeschneiderte „monoklonale“ Antikörper, die sich als Spezialisten für einen gezielten Angriff besonders gut eignen. Natürliche Antikörper sind von B-Lymphozyten produzierte Proteine, welche Antigene an der Oberfläche fremder Zellen aufspüren, sich an sie heften und den Soldaten des Immunsystems signalisieren, wo sie attackieren sollen. Zudem können sie Eindringlinge auch selbst lahmlegen. Ihre biotechnisch gewonnenen Pendants werden von einem einzigen, unendlich vermehrbaren B-Zellklon gebildet; sie sind deshalb in jeder einzelnen Ampulle und nach Jahren noch identisch. Eine Reihe solcher monoklonarer Antikörper ist heute bereits zugelassen. „Der entscheidende Schlüssel für künftige Produkte sind die Zielstrukturen, um ideale Antikörper herstellen zu können“, sagt Sahin. Sahin und sein Team nutzen unterschiedliche Methoden, um unverwechselbare Targets für dem Immunsystem zu erstellen. Unter anderem durchforsten sie systematisch internationale Gen-Datenbanken. Aus Millionen von Daten filtern sie jene Genprodukte heraus, die nur in Krebszellen entstehen und als Kandidaten in Frage kommen.Ein Antikörper gegen solch ein spezielles Antigen ist bereits so weit, dass er im kommenden Jahr an Patienten mit Magenkrebs getestet werden kann.
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Quelle: Spektrum der Wissenschaft, 03/07 2007 'Jäger der Anti gene' Autor: Marion Kälke
http://www.scitechs.de/scitechs/Scitechs_03-07.pdf
























